LORENZ VE301W
   
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LORENZ VE301W

 

 

 

Volksempfänger der Firma LORENZ / Berlin

Vorab etwas zur Geschichte der Volksempfänger.

Als am 30. Januar 1933 der braune Anstreicher aus Österreich die Macht im Deutschen Reichstag übernommen hatte, kamen seine Gefolgsleute auf die Idee, das neue Medium "Radio" zur Verbreitung ihrer Hetzreden und Lügen zu nutzen. Wie sich zeigen sollte, war das die Idee, leider. Die Volksverdummung bis hin zum Zusammenbruch mit ca. 60 Millionen Toten weltweit und zwei Atombomben auf Zivilisten im April und Mai 1945 hatte vollen Erfolg.

Wie geschrieben, nach der Machtergreifung wurde der Gedanke geboren, allen "Volksgenossen" den Zugang zu diesem neuen Medium zu ermöglichen. Der VE301 wurde entwickelt und auf Befehl von ganz oben in dieser Art zum festgelegten Preis von RM 178,- und mit diesem Namen von (fast) allen Firmen, welche sich eben mit dieser neuen Technik befassten, her zu stellen. Das Radio wurde im Deutschen Reich zum Einheitspreis verkauft. Heute wäre das nach Kaufkraft ca. 380,- €. Ein sehr stolzer Preis, ein Vielfaches des Lohnes eines Facharbeiters. Trotzdem wurde dieses Gerät ein Erfolg und viele der Volksempfänger überdauerten auch die Kriegs- und Nachkriegsjahre bis in unsere Zeit.

VE = Volksempfänger; 301 = 30. Januar 1933. Es gab 3 Ausführungen dieser Geräte: W für Wechselstrom (AC); G für Gleichstrom (DC) und B für Batteriebetrieb.

 

Dieser Volksempfänger, Hersteller war die Firma LORENZ in Berlin 1933, wurde bei uns im Repair-Café vorgestellt mit der Frage „Können Sie…?“ Nun ja, ein Kollege sagte „Ja, wir können…“ und dann nach ein paar Wochen landete der VE doch auf meinem Tisch. Fehler: Tut nichts.

Rückfrage beim Besitzer war dann die Standard Fehlerangabe: „Neulich spielte er noch…“. Auf die Frage, wann das Neulich war, keine genaue Antwort, nur so etwas wie – na ja, eine Weile ist das schon her, denke ich mal. 🤣.

Auf meine Frage, was er (der Besitzer) denn mit diesem historischen Gerät machen wolle, kann die Antwort: Nur zur Ansicht, aber es soll spielen zur Demonstration, und das Gerät soll möglichst im original-Zustand belassen werden. Hm. Ich habe dann dem Besitzer mitgeteilt, dass es in Europa keine Langwellensender im Betrieb mehr gibt. Und LW und MW sind die Empfangsbereiche, für den eigentlich diese Geräte in den 30igern gebaut wurden. MW gibt es noch Sender, aber leider nicht im deutschsprachigen Europa, dass, was empfangen werden kann, sind meist leistungsschwache Museumssender, die auch nur zu besonderen Tagen im Betrieb sind. Das hat der Besitzer dann so zur Kenntnis genommen und meinte, das wäre schon in Ordnung, da unser Kollege zugesagt hat, einen kleinen MW-Sender mit Bluetooth abgeben zu wollen. Damit kann er dann zumindest den VE301W demonstrieren.

Gut. Also auf den Tisch mit ihm und entkleidet. Staub und so hatte der Kollege schon vorher entfernt, dieser Kelch ging also an mir vorüber. Nach Abnahme der Rückwand ein recht sauberes Chassis ohne auffällige Spuren einer „Verbastelung“ und sogar der originale Freischwinger war noch drin. Das war schon mal sehr positiv zu sehen.

Also an den RTT und die Spannung langsam hochgeregelt. Tatsächlich war der VE wirklich tot. Kein Mucks. Kein Ton. Und zum Glück auch keine Rauchzeichen.

AC am Netztrafo gemessen, da war alles in Ordnung. Am Ladekondensator 260 Volt, Siebkondensator 0 Volt. Hier lag also schon mal der erste Hund im Grabe.

Dann fiel mir ein, dass Martin mir angeboten hatte, bei Bedarf Röhren zu prüfen. Also die drei Röhren vorsichtig gezogen und mit der beiliegenden Ersatz G354 gut verpackt zum freundlichen RBF-Mitglied geschickt.

Natürlich die Wartezeit nicht untätig verplempert 😲. Da ich ja nicht jeden Tag so ein Schätzchen auf dem Tisch habe, mich erstmal schlauer gemacht, was erfahrungsgemäß so zu tun ist. Kondensatoren! 5 Stück von denen steckten in einem Block von Bosch. Hier erst einmal Fotos gemacht – viele Fotos! Dann geschaut, wie ich den Block aus dem Chassis herausbekommen. Nun, es ging nur mit teilweise Entlöten des Spulensatzes. Darunter verbargen sich zwei Blechlappen, natürlich umgebogen, die den Block am Platz hielten. Nach einigen Fingerübungen lag dann aber doch der Widerspenstige Bosch auf dem Tisch. Ich hatte mir eigentlich schon lange vorher Gedanken darüber gemacht, wie ich die erwartete Vergussmasse herausbekomme und was mich dann erwarten würde. Alles nicht so schlimm! Die Verdrahtung war noch sehr gut sichtbar auf dem Blech aufgedruckt, auch die Blechlaschen, die den Pertinax-Deckel an Ort und Stelle hielten, waren noch intakt. Und darunter… Kein Teer oder andere Vergussmasse. Glück gehabt.

Der erste Blick offenbarte schon, da war mal vor mir schon Jemand dran gewesen. Das waren nicht mehr die originalen Kondenser von 1933 oder so. Ein Vergleich mit dem Schaltplan (einer von drei stimmte so la la mit der Schaltung überein) zeigte, dass der Lade- und Siebkondensator ersetzt wurden, aber mit den falschen Werten! Ladekondensator lt. Schaltplan soll 2µF ist 16µF. Siebkondensator Soll 4µF, ist 16µF. Beide also mit den originalen Werten ersetzt, aber eben Elkos mit 450Volt und 105°. Das sollte passen. Die beiden nächsten waren MKTs mit 0,1µF. Die stimmten, aber ich habe die doch erneuert. Der 1µF an der Primärseite des Übertragers nach Masse hatte nur 534pF und einen Isolationswiderstand von 586k. Der war also hinüber und wurde ebenfalls ersetzt.

Jetzt den Block – ich habe dem noch ein paar Abstandhalter zur Deckplatte im Innern verpasst – wieder zusammen und ins Chassis. Den Spulenträger wieder angelötet und die Verbindungen zur Schaltung hergestellt. Jetzt die restlichen, üblichen Arbeiten. Widerstände gemessen. Der 3 K in der Spannungsversorgung hatte seinen Geist aufgegeben, er war eine Unterbrechung! Im Fundus einen 3K 5W Widerstand gefunden und an diese Stelle gesetzt. Ebenso war der 2M für die Gittervorspannung der L416D auf 7M angewachsen. Auch der wurde ersetzt. Der Entbrummer wurde mal durch einen Festwiderstand mit Abgriff ersetzt. Leider war der Einseitig verbrannt. Ich habe daher dem VE einen Drahttrimmer 100Ohm gegönnt, so wie es im Schaltplan angegeben ist.

Die restlichen drei Teeries abgelötet und mit Xi Jinpeng (NICHT der China-Bos, sondern mein kleines Gerät zum messen von Kondensatoren und Widerständen, Hersteller in China) gemessen. Bei zweien seltsame Werte, die weit über der Toleranz lagen – 60cm hatte 550pF und der 100cm, da zeigt der Xi nur 40pF. Also diese beiden auch durch keramische mit 600Volt ersetzt. Hier habe ich mir überlegt, ob ich die neuen in die alten Pappröhren einpflanzen sollte, ging aber nicht, da die neuen Keramischen vom Durchmesser her größer waren. Also so gut es ging unter dem Chassis versteckt. Sieht ja keiner… 😁.

In der Zwischenzeit hat mir der Martin die Kiste mit den Röhren und dazu noch Prüfprotokolle zurückgesendet. Danke, Martin!!!
Die Röhren für den VE waren alle noch im gut oder noch gut – Bereich. Also die Dinger wieder rein und das zweite Mal in meiner Werkstatt wieder an den RTT (meint Regel-Trenn-Transformator. DIE notwendige Lebensversicherung für Bastler mit Ambitionen, sich mit hohen Spannungen rumschlagen zu wollen).
… und „ENERGIE“ 😲. Hm. Knacken beim Einschalten und nach ein paar Sekunden leichtes Brumm, das wars dann auch.

Das war am frühen Nachmittag. Also große Pause eingelegt und im Supermarkt einen Teil meiner Rente in Futter umgetauscht. Bei Nacht und Nebel dann neuer Versuch: Knacken und jetzt sogar rauschen im Freischwinger! Erde gesucht und am Heizkörper gefunden, ca. 5 Meter Drahtantenne abgerollt und schon war es etwas lauter in der Bude, aber nicht so richtig. Auch war der Quetscher scheint's ohne Funktion. Hin- und Her gedreht ohne etwas an Veränderung wahrnehmen zu können. Aber so recht leise doch einen Sender. Ungar oder so. Aber zu leise!

Grübel! Röhren? Ich habe einige für den VE im Fundus, also mal getauscht (Sorry Martin, hätte ich mir sparen können, aber na ja. Ich habe es eben mal versucht) keine Besserung. Grübel! Nö, keine Lust mehr. Ab vor die Kiste und nach kurzem Staunen über das entsetzlich spannende Programm der Öffentlich-Rechtlichen ab ins Bettchen.

Am nächsten Tag dann nach nochmaliger Durchsicht meinen eigenen Fehler gefunden: Ich Depp habe den Anschluss des Quetschers statt wieder an die Spule zu löten, auf Masse gelegt. Ist zwar nichts passiert, aber doof bleibt doof.

Test am Abend: MW brüllen mich 3 – 4 Sender, die ich nicht verstehen konnte (ich kann kein Russisch und auch kein Arabisch 😢) an. Auch die Rückkopplung funktioniert jetzt. Schwingung setzt mit einem Plopp ein und so.

Mit meinem kleinen Testsender MW und LW getestet, funktioniert prima! VE301W LORENZ gerettet, und das fast im originalen Zustand belassen. Den Besitzer freuts!

(Mich auch…)

 

Ps.: Für alle Hobbyisten, die sich auch an solchen Geräten versuchen wollen: GEFAHR! Hier wird mit gefährlicher Spannung gearbeitet, die ohne Weiteres zum Tod führen kann! Also liebe Laien, Finger weg. Überlasst das denen, die es gelernt haben!

VE301W von LORENZ 1933

Die Bedienknöpfe. Nur 3, aber die wollen bedient werden!

Rückwand mit Hinweisen zur Bedienung

Antennenanschlüsse Mittelwelle und Langwelle

So sieht er hintern Rock aus, der VE.

Drei Röhren noch aus der Zeit!

Der Lautsprecher ist original! Ein Freischwinger

Das Typenschild

Zur Beachtung für den Benutzer. Auch das "Geflügelt Wort" Nicht vergessen: Nach Ausschalten Antenne Erden! fehlt nicht.

Selten, ein so gut erhaltener Freischwinger. Man bedenke, der ist schon 93 Jahre alt.

Der Friktionsantrieb der Skalenscheibe.

Netztrafo, Drehko und NF-Übertrager (von links)

Der Spulensatz. Unter dem ist der Blockkondensator befestigt.

Skala aus Zeluloid, hoch brennbar. Hier noch original. Keine Sendernamen drauf.

Der Blockkondensator, Hersteller BOSCH

Die Anschlüsse gleizeitig zur Verdrahtung genutzt.

Die Innereien, 5 Kondensatoren. Teils defekt und falsch.

Hier nun die neuen Kondensatoren mit den richtigen Werten.

Die "Neuen"

Fertig zum Einbau.

Dieser Widerstand soll als "Entbrummer" dienen...

Leider ist ihm an einer Stelle was durchgerannt...

Der Ersatz so, wie es im Schaltplan vorgesehen war, ein Drahttrimmer 100Ohm

Wer findet den Fehler? Selbst eingebaut!

Detail des Netztransformators, auch von BOSCH hergestellt.

...und der Freischwinger in aller Schönheit...

 

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(c) Rolf-Dieter Reichert, Stand: 15.06.26