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Stereo-Kompaktanlage
GRUNDIG Studio 3010 a

 Im Repair-Café AS die Standardfrage "können Sie das reparieren?" Und schon schlägt der Sprachfehler wieder zu: JA!
Nun denn. Das Gerät also ins Homeoffice geschleppt - wiegt immerhin so um die 10kg - und in die Ecke gestellt. Andere Sachen waren wichtiger. Meint man. Vor ein paar Tagen dann Unterlagen gesucht und Schaltplan (5 Seiten) gefunden. Netz befragt "Wie bekomme ich das Gehäuse ab?" Ki mal wieder Schwachsinn, Youfernsehen ein Beitrag. 25,98 Minuten werden wie wild geworden Tasten gedrückt und irgendwas gelabert, dann Werbung. Nochmal Ki: Der Dual Plattenspieler geht nach lösen der Sicherungen nach oben heraus. Das war alles. Also die Sicherungen gelöst, das der Dual will nicht so wie ich wohlwill, der Böse der. Irgendwo ist da noch ein Haken, der den Dreher festhält 🤢.

Von unten 6 Schrauben gelöst, umgedreht, Oberteil abgenommen. 2 Kabel zum Plattenspieler, eins ist so kurz, gleich entsteckert😥. na ja. Kollateralschaden, kann behoben werden. Ein anderes Kabel geht zum Kassettendeck, das ist so blöd geführt, dass es eigentlich nur durch die Öffnung des Plattenspielers abgesteckt werden kann. Na gut. weiß man(n) beim Zusammenbau.

Der erste Eindruck wie immer, sehr verstaubt. Kassettendeck sind alle Riemen hinüber und auch sonst...

Der Dreher - ein DUAL 1225 - ist erstaunlich gut im Schuss, natürlich bis auf das dicke Fett überall. Aber auch das bekommt man(n) hin, meine ich. Also doch kein Sprachfehler? na ja, zumindest in diesem Fall sicherlich nicht. Schaun mer mol.

Erste Tat noch heute: Oberteil vom Rest trennen und Unterteil ab in die Garage zum Kompressor. Denn den Dreck will ich ganz sicher NICHT in meiner kleinen Werkstatt...

Der Drehko ist fest, hat aber zum Glück keine Zinkpest. Also sicher wieder in die Gänge zu bekommen. Mit einiger Kraft (wo rohe Kräfte sinnvoll walten kann kein Schmutz die Welle halten) den Drehkondensator wieder in Bewegung gesetzt.

Nun die Skalenbeleuchtung. Die war sehr sinnvoller Weise so montiert, dass man die ganze Skala und die Halterung dafür samt Stationstastensatz demontieren musste. Und dazu war auch noch spezielles Werkzeug notwendig.

Zuerst das Werkzeug, welches sich zum Glück (für mich) in meiner Uhrenreparaturwanderkiste befand: Gutes japanisches Werkzeug mit PZ12 und biegsamer Welle mit Hülse.

Danach konnte der Tastensatz nach hinten gedrückt und so die Blende nach oben herausgenommen werden.

Dann den Zeiger ganz nach links drehen und mit einer Gehäuseöffner-Klinge (Uhrenwerkzeug) die Skala Ausklipsen.

Dahinter dann drei Skalenlampen, die nur so ausgesteckt und ersetzt werden können. Drei andere, natürlich auch andere Forme und Leistung, können auch von hinten gewechselt werden. Weiß der Grundig, der Max der, warum 🤢.

Jetzt bin ich am überlegen: Anstelle der drei ein LED-Band mit warmweißen? Oder doch besser solche Originalen Lampen? Zu bekommen sind die noch. Lieferung aus der Bucht in 2 - 3 Werktagen, so sollte ggf. die Weihnachtsarbeit noch Erfolg haben. Die Skalenbeleuchtung wird mit 12 Volt AC direkt aus dem Netzteil versorgt. LED-Anpassung nur mit DC ist kein Problem, sind nur ein paar Bauteile und hinter der Skala ist genug Platz dafür.

Trotzdem. Nach laaaaaanger Überlegung und gutem Rat werde ich eine LED-Strippe einbauen. Denn diese Prozedur zum Wechseln ist ... Na ja, eben. 🤮

Weihnachten ist vorbei und es geht weiter mit dem GRUNDIG Studio 3010.

Über die Feiertage mal ein bisschen nach dem Kassettendeck - Grundig CB430 - geschaut und die beiden Riemen ersetzt. Tasten gangbar gemacht, Kontakte, Köpfe, Lager und sonstiges gereinigt und über die Grundianer gestaunt. Das Kassettendeck ist von INNEN an das Gehäuse-Oberteil geschraubt, während der Dual 1225 von oben reingesetzt ist. Komplizierter gehts nimmer!

Der Dual 1225 hat mehrere, gravierende Probleme. Aber dazu dann wohl zu Sylvester ausführlicher, denn der macht noch viel Ärger🤮😥. Jetzt geht es erstmal mit dem Grundgerät weiter.

Die Spannungsversorgung der Skalen- und Instrumentenbeleuchtung kommt direkt vom Trafo mit 12 Volt AC. Für den geplanten Umbau auf LED musste also eine Gleichrichtung und so her. Selber aus dem Fundus was machen? Eigentlich kein Problem. Dann ein Blick zur Amazone: Gleichrichtung und Stabilisierung für 3,- €uronen. Da lohnt sich der Aufwand nicht. 2 Stück von denen noch vor Weihnachten bestellt, 2 Tage später als Wurfpost vor der Tür. Einen davon eingebaut und auf 10,5 Volt eingeregelt, es soll ja nicht zu helle werden. Die Skalen-Hintergrundbeleuchtung ist somit erledigt.

Jetzt die Beleuchtung der Stationstasten, des VU-Meters, des Skalenzeigers und der Stereo-Anzeige, insgesamt nochmal 4 LED's. Hier habe ich gedacht, statt warm weiß mal kalt weiß zu nehmen.

Ich habe die alten Fassungen der Steckbirnchen verwendet und die LED's samt Vorwiderstand eingebaut. Diese Teile können, wie weiland die Birnchen, aus der Halterung genommen werden. Sollte irgendwer mal auf die Idee kommen, dass Teil wieder auf Glühlampen um zu rüsten, ist das also mit dem Ersetzten der Fassungen und der Lampen zu bewerkstelligen.

Ein bisschen länger hat die Montage der LED auf dem beleuchteten Skalenzeiger gedauert. War eine reine Geduldsprobe, bis diese LED richtig positionisiert war und der Zeiger schön hell erleuchtet ist. Sieht aber richtig gut aus.

Insgesamt war das eine schöne Montagsarbeit, kann sich aber sehen lassen, denke ich mal so für mich.

Übrigens: In meiner "Senderempfangsdiaspora" einige Sender auf UKW mit den vertrauten Störungen, und auch MW und KW geben Töne von sich. LW knistert und rauscht ganz ordentlich. Mit einer vernünftigen Antenne wird das sicher eine Wonne, diesen GRUNDIG-Klang zu lauschen.
Meine bisherigen Elektrolytkondensatorersetzungsorgien haben also Wirkung und waren sicher nicht umsonst!

Heute sind die Zahnräder für das Cassetten Laufwerk endlich gekommen. Grundig hat ja die bekannten Gelatine-Zahnräder in seinen Tonbandgeräten verbaut. Und die Dinger zersetzen sich nach Jahrzehnten. Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass es bei diesem CB430 nicht der Fall wäre, aber, wie gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt 😥. So auch hier.

Da war sogar noch ein Stück Band übrig. Habe ich dann auch gleich mit entfernt 😁

Viel Arbeit war der Plattendreher. Ein DUAL 1225, eigentlich auch ein Wechsler. Der war so "Verfettet", das war schon ein respektabler Herzinfarkt. Da bewegte sich wirklich nichts mehr. Also das Teil zerlegt, soweit es machbar war. Mit Bremsenreiniger - bitte nicht schimpfen, aber es ging wirklich nichts anderes - das harte Fett abgewaschen und gründlich geputzt. Als dann alle Hebel und -chen sich wieder leicht und willig bewegten, Silikonfett aus der Uhrenwerkstatt zum Fetten genommen. Das ist synthetisch und wird mich ganz sicher überleben. Danach dann die Einstellungen. Das DUAL-Manual war da sehr hilfreich, aber manchmal für mich etwas schwere Kost. Was, zu Teufel, ist denn eine "Idealscheibe"??? Es gab für diese Scheiben auch nichts in den Explosionszeichnungen. Na gut. Jetzt weiß ich: E-Sicherungsscheiben.

Zu guter Letzt nervte mich noch der "Aufsetzpunkt". Da meinte das Manual, der könne nur mit 45er Platten justiert werden. Die 33er sind dann automatisch mit eingestellt. Das war alles. Dieser Dreher setzt aber den Tonarm so 7 mm nach dem Abheben wieder auf. Also viel zu früh. Auch 45er setzte der Arm hier auf. Etwas stand zwar da im Manual dazu "Segmentscheibe reinigen". Aber wo, bitte, ist diese Segmentscheibe? Tonarm ausbauen??? Ja, dann kommt man da dran. Also gereinigt, alles wieder zusammen und... Siehe da, der Arm schwenkt bis zur Anlaufrille und setzt richtig auf. Doch was richtig gemacht!?

Am nächsten Tag noch mal testen: SCHE.... 🤬! Der Arm setzt wieder da auf, wo er nicht soll. Alles nochmal? Nö. Will nicht. Da muss es noch etwas anderes geben, was im Manual nicht beschrieben ist. Mit Einschalten des Gehirns ist es mir dann gelungen, den mechanischen Ablauf zu denken und das war dann die Lösung: Die Stellschiene 212 kann in Grenzen durch die Schraube 43 verstellt werden, um z.B. den Hub des Armes einstellen zu können. Irgendwer hat da mal wie wild dran gedreht - sieht man auch an dem Schraubenkopf aus Kunststoff, der ist sehr angenagt -. Und diese falsche Einstellung bewirkte, dass der Hubbolzen für den Tonarmlift die Segmentplatte nur ganz leicht berührte!!! Also konnte der Arm nur den Teil schwenken, der durch den zweiten Bolzen möglich war. Nach der - so hoffe ich wenigstens - richtigen Einstellung von 212 durch 43 funktionierte diese Mimik jetzt. Auch der Aufsetzpunkt für die 45er ist richtig.

Schnauf! 4 Tage und schlaflose Nächte, aber jetzt ist alles klar und funktioniert.

Jetzt blieb als nur noch das Cassetten Laufwerk. Das hatte ich ja schon offen, um die beiden Riemen (die alten lagen als Gummistückchen schon im Gerät) zu ersetzen. Erst beim Test danach zeigte sich, dass die Zahnräder auch nach Ersatz schrien. Na gut. Die bekommt man auch ohne gebrochene Finger raus und wieder rein.

Dann den Deckel aufs Unterteil, Finger verbogen, um die beiden Stecker vom Player anschließen zu können, Test, Bobby Dylan "Down in The Groove" dröhnte aus den Boxen mit dem richtigen Grundig-Sound. Vorlauf, zurückspulen etc. alles in Ordnung. IBB.

Und nun den DUAL wieder einbauen. Auch die Kabel angeschlossen, die rechte Seite zuerst, damit der Sicherungshaken auch unter die Zarge rutscht, die Transportsicherung eingehakt und die Feder auf der linken Seite auch unter die Zarge gedrückt und Test mit "Great Western & Countryhits" probiert.

Ich kann nur sagen, die Grundianer aus Frangen wussten, wie man Klänge zum Klingen brachte.

Ach so, die Nadel war natürlich auch hinüber - oder besser nicht vorhanden - aber das M75 zum Glück noch bestens intakt und eine Ersatznadel war einfach zu beschaffen.

Erfolgreiche Wiederherstellung eines Konfirmationsgeschenkes nach über 50 Jahren gelungen. Es hat (bis auf den Dreher) richtig Spaß gemacht!

Ps.: Mir gefällt übrigens die Skalenbeleuchtung mit der LED-Strippe warm weiß sehr gut. Auch der Skalenzeiger zeigt sich wieder, aber mit einen LED kalt weiß. Stereo-Anzeige funktioniert, und die Stationstasten leuchten auch wieder.

Der Empfang (in der Küche mit Zimmerantenne) ist überraschen gut. UKW ca. 10 Sender auf Anhieb, 5 Stationstasten gleich mit allem wichtigen belegt, keine Probleme. LW, MW mit kleinem AM-Senderlein getestet, funzt. Und schon am Nachmittag plärrte mich auf KW ein Ruski und so an. ca. 15 Sender waren im schnellen Durchgang zu hören.

GRUNDIG Studio 310 a

DUAL 1225

Da fehlt was...

Der Innereum mit viel Platz

Den Plattenspieler kann man nur nach oben aus dem Gehäuse nehmen

Der Drehko. Fest wie verschweißt! Aber mit Geduld und Spucke...

Grundig hatte da eine kurze Leitung. Nicht service-freundlich!

Kurz, ZU kurz.

Staub von 50 Jahren...

Die Spannungsversorgung, sehr überschaubar

Seilführung durch ganze Gerät. Warum einfach, wenn es auch kompliziert...

Zum Ausbau der Skalenbirnchen muss auch die Antenne weg

Die Frontblende weigert sich

Dieses Tastenagredat muss auch ab

Erst dann hat man die Skalenabdeckung in der Hand

... und kommt an die defekten Skalenlämpchen dran.

2 von den dreien sind hinüber, die Spannungseinstellung stand noch auf 220 Volt. Wir haben aber inzwischen 230 Volt

Die neue Stromversorgung vom Ali.

Sieht doch gut aus.

Auch der Dual 1225 dreht sich wieder, wie er soll.

Komplett mit LED bestückt

Einige Teile, die ersetzt wurden. Riemen, Zahnräder, Glühbirnchen, Tonagnehmer-Nadel und so weiter.

...und der GRUNDIG tönt wieder.

Macht schon was her, diese Anlage. Neupreis 1972 so um die 990,- DM

Hier die GRUNDIG Gelatine-Zahnräder. Diese Dinger sind in vielen, sehr vielen Grundig-Tonbandgeräten verbaut.

 

 

 

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Stand: 27.01.26

(c) Rolf-Dieter Reichert 2010